Und mein Papa bringt Menschen um

Greueltaten? Nicht bei uns!?! 

Es ist immer wieder erschreckend, wenn mensch darüber nachdenkt welche Greueltaten von Menschen an Menschen verübt wurden und verübt werden. Wie angedeutet, liegen für die meisten Leute die schlimmsten Greueltaten entweder in der Vergangenheit oder zumindest weit weg in andereren Ländern.

Doch die Realität sieht anders aus…

Denn wenn wir davon reden, dass Wohnungen mit scheinheiligen Begründungen durchsucht werden, Kinder ohne Wissen der Eltern von der Straße geschnappt und verhört werden oder Menschen (ohne deutschen Pass) über Nacht aus ihren Wohnungen und aus Deutschland verschleppt werden, dann muss damit nicht unbedingt der historisch gewordene Hitlerfaschismus oder ein östlicher Unrechtsstaat gemeint sein, sondern eine durchaus tägliche Praxis der Bundesrepublik Deutschland.

Wie könnt ihr Nachts überhaupt noch schlafen?

Doch beeindruckend ist nicht nur, dass dies immer wieder geschiet, sondern dass es ganz offensichtlich Menschen geben muss, die bereit sind soetwas zu machen. Hier sind nicht nur all diejenigen gemeint, welche Flüchlinge und Asylsuchende auch noch nach Jahren ihrer Ankunft in eine gefährliche längst fremd gewordene “Heimat” vorort abschieben. Sie stellen nur ein Bruchteil der Abschiebemaschinerie dar, zu dem auch ein ganzer Apparat an Papiertigern und verantwortlichen Mitwissern (wie z.B. Unternehmensführungen) gehören. Was geht bei einem Menschen im Kopf vor, wenn sie ganz genau wissen was ein solches Abschiebeurteil für einen Menschen bedeutet und er ihn trotzdem abschiebt oder vermeintlich abschieben muss? Wie kann ein Mensch es mit seinem Gewissen nur vereinbaren, eine solche sinnlose menschenverachtende Arbeit nachzugehen?

Auch wenn ich wohl kaum eine Antwort darauf bekommen werde. Eins steht fest: Egal aus welchem Hintergrund oder Motiven sie zu dieser “Arbeit” kommen, ihr Handeln ist zutiefst abscheulich und verachtenswert.

3 Responses to “Und mein Papa bringt Menschen um”


  • Ich habe mich auch schon oft nach einer Antwort gefragt und eine Idee über das Milgram-Experiment bekommen. Das Experiment wurde so gemacht: Menschen werden zufällig angesprochen ob sie bei einem Experiment mitmachen wollen. Ihnen wird erklärt, dass getestet wird ob Bestrafung die Leistungsbereitschaft fördert. Sie müssen einem “Schüler” immer dann wenn er sich etwas nicht richtig gemerkt hat einen Stromschlag geben. Der Stromschlag wird nicht wirklich erteilt aber der “Schüler” wird von einem Schauspieler gespielt der Schmerzen simuliert. Raus kam, dass 62,5 Prozent der Menschen den Schüler bis in den Tod getrieben hätten, wäre es kein Schauspieler gewesen. Nahezu alle waren bereit extreme Schmerzen zuzufügen, also zu Foltern. Allerdings hatten auch fast alle extreme Gewissenskonflikte. Die häufigste rechtfertigung der Leute warum sie trotzdem so gehandelt haben war: Ein Professor war anwesend der ihnen gesagt hat er soll weitermachen und die Universität würde die Verantwortung übernehmen. Die Ausrede war sozusagen ich habe nur Befehlen gefolgt.

    Ich glaube das es auf den Ausländerbehörden in der Polizei und bei den ganzen Papiertigern ähnlich ist. Kommen Gewissenskonflikte und wollen sie ihren Job nicht verlieren, macht das Gehirn dieser Schreibtischtäter einen perversen Trick: Zum einen machen es die Gesetze und der diktatorische Behördenaufbau diesen Leuten leicht zu sagen: Es ist ja nicht meine Entscheidung (es sind die Gesetze, die Vorgesetzten, die Befehle). Aber dann kommt das Problem dass ja kein Mensch von sich sagen möchte “ich mache etwas schlechtes mit meinem Leben”. Deswegen werden verschieden Strategien genutzt um das Handeln zu rechtfertigen, je nachdem was für ein Mensch der Schreibtischtäter ist, kann das sein:

    a) Man sieht die Flüchtlinge nicht als Menschen sondern nur als Verwaltungsakt. Man macht sozusagen den nicht mehr Sprung sich in den anderen hereinzuversetzen.

    b) Man sucht Argumente die das Handeln rechtfertigen: Asylbetrüger, kriminelle Ausländer, mein Nachbar ist Türke und hat das und das schlimmes gemacht, Trickser und Täuscher, das Boot ist Voll, Wir können ja nicht alle reinlassen – so traurig das ist, Identitätsverschleierer, Sozialschmarotzer oder ganz offene rechtsradikale Argumente.

    c) Man blendet Informationen aus die das Gewissen belasten könnten.

    Grundsätzlich besteht das Problem das Sie nie die Folgen ihrer Taten mitkriegen. Nach der Abschiebung hört man nichts mehr von den Leuten.

    Kurz gesagt: Wir leben in einer Welt in der viele Leute nicht den Schneid haben für ihre Taten gerade zu stehen, sondern immer Ausreden suchen um sich nicht mit ihren Taten auseinandersetzen zu müssen… Der Staat und die Wirtschaft gibt ihnen allen die wunderbare Möglichkeit zu sagen: Ich führe nur Befehle aus… Dadurch das ja die Folgen bei Abschiebungen nicht “sichtbar” sind, wird es noch einfacher.

  • Hi Tobi.
    Das Experiment ist mir bekannt und war für mich schon mehrere Male Diskussionsthema. Eine andere Diskussion über (autonome=eigende und erzogene) Moral und Handeln hatte mich dazu animiert darüber zu schreiben.

    Inhalt war, dass viele Menschen keine Moral hätten und deswegen in der Lage wären z.B. jemand ins unsichere Ausland abzuschieben ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Oder zweitens, dass eine etwas andere Moral (wie z.B. im Hitlerfaschismus) anerzogen wurde, dass die Leute garnicht mehr darauf kammen etwas schlechtes zu tun.

    Z.B. war es nicht unmoralisch Juden bestialisch zu töten, aber es war unmoralisch wenn man nicht das Tat, was das “Volk” von einem verlangte. (Aussage aus einem Zitat von Himmler entnommen) Das heißt, dass du in dem Augenblick nicht mehr als “moralisch standhaft” galtest, wenn du dich vor der Beteiligung an der Judenvernichtung gedrückt hättest.

    Eine noch andere Ahnung ergibt sich zum Teil auch aus eigender Erfahrung. Kennst du das eine (mittlerweile im Internet veröffentlichte) Fotoalbum eines SS-Offiziers, der auch in Ausschwitz gearbeitet hatte? In seinem Album über seine Dienstzeit dort wurde alles mögliche dokumentiert: der eigene Hund, fröhliche Feste, Besuch von SS-Damen *denen Himberen geschenkt wurden*. Doch es gibt kein einziges Foto oder irgendeine Bemerkung dass von seiner eigentlichen Tätigkeit berichten. Der Offizier selbst ist sich während dieser Zeit auch keine Schuld bewusst – “war ja eigentlich eine schöne Zeit” (Kein Zitat). Und ganz ehrlich, wenn ich an meine Zeit in der Rettungsstelle denke, dann weiß zwar noch, dass dort nicht alles moralisch sauber war, was ich getan habe, aber glaubst du ich kann mich jetzt nach nichtmal einem halben Jahr, noch daran erinnern was das war? Dafür kann ich mich noch an eine ganze Menge positiver Sachen erinnern. Noch erschreckender wird es, dass das ich erst nach dem Dienst (und zwar nur aufgrund meiner politischen Einstellung) meine Dienstzeit objektiv bewertet habe und mir geschworen habe mir zu merken, dass nicht alles OK war.

    Alle Dinge die du genannt hast plus meinem Geschriebenden ergibt ein recht anschauliches Bild.

    Dennoch ist es schlecht was die Menschen tun und meines Erachtens ist es die Aufgabe aller es ihnen jederzeit wieder Bewusst zu machen oder überhaupt einzutrichtern. Das Ziel muss es sein, dass diese Menschen sich nicht mehr in den Spiegel anschauen können, sie sich nicht mehr trauen anderen zu sagen was sie tun, weil sie die entsetzten Gesichter nicht mehr ertragen können. Der Job soll der schlechtest angesehende Beruf überhaupt werden. Die Leute sollen vom Gewissen geplagt sein, mit sich und was sie tun nicht mehr klar kommen und am besten den Job hinschmeißen, selbst wenn sie dann perspektivlose Arbeitssuchende werden. Es soll der Job mit der höchsten Selbstmordrate und Fluktuation werden, damit bald gar niemand mehr bereit ist diesen Job zu machen. Egal wieviel Geld ihnen der Staat für diese Drecksarbeit bietet.

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ch bin im Iran geboren und 2005 aus einem Land geflohen in dem bei Bestrafungen immer noch das Mittelalter herrscht obwohl wir im Jahr 2008 leben es ist als wenn die Zeit stillsteht. - by Sharzad

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