Sagenhafte Solidarität

Was Tschingis besonders in Erinnerung geblieben ist, ist der Abend am Lagerfeuer mit den anderen aus der Gruppe.

Alles begann im Gutshaus Glashagen, wo wir „Jugendliche ohne Grenzen“ (JoG) aus Mecklenburg-Vorpommern uns für ein Wochenende trafen, um unsere erste eigene große Aktion vorzubereiten.

Die Wanderausstellung „Sagenhafte Solidarität“ von der Stiftung „Nord-Süd-Brücken“, die sich thematisch mit den Millenniumsentwicklungszielen (Millennium Development Goals – MDG’s) beschäftigt, sollte nach Greifswald geholt werden.

Die MDG’s waren deshalb auch das Thema, mit dem wir uns mit Hilfe einer Referentin vom Ökohaus Rostock am ersten Tag beschäftigten. Das hat Müslüm am besten gefallen. Er sammelt gern neue Informationen. Später sollten wir dann einen ersten Einblick in die Ausstellung bekommen, die wir der Greifswalder Öffentlichkeit präsentieren wollten.

 

„Sehr eindrucksvoll“; „Scheiß Wohlstandsarroganz“; „Einfach anfangen! Nicht nur reden und so tun als ob“; „Solidarität darf nicht nur ein Wort sein“; „Sehr einfach aber sinnvoll“; „Drückt sehr viel aus“ „Man wird immer darauf gestoßen, was das alles mit einem selber zu tun hat“ – Das waren unsere ersten Reaktionen auf diese Austellung der etwas anderen Art. Es handelt sich um eine Wanderausstellung, die die Ergebnisse eines unter Kunststudenten zum Thema MDG’s ausgeschriebenen Plakatwettbewerbs vereint. Sehr eindrucksvolle Bilder beleuchten die Thematik aus verschiedensten Perspektiven.

Doch wie können wir die Plakate angemessen präsentieren? Wie kann die Ausstellung besser in Szene gesetzt werden? Diese Fragen bewegten uns.

Wir wollten Öffentlichkeit erreichen und gleichzeitig Inhalte ausdrücken. „Theater!“ war die Antwort. Gemeinsam entwickelten wir an dem Wochenende eine möglichst aussagekräftige Szene.

Was folgte waren Wochen der Vorbereitung: Ein Raum musste organisiert, Requisiten gebastelt, Musik beschafft, die Veranstaltung geplant und Werbung gemacht werden.

Einen Monat später war es soweit:

Eine Frau in Weiß schwebt sanft über den Fischmarkt in Greifswald, doch plötzlich kommt sie zu Fall, ein „Stein“ aus Kindersterblichkeit, Wasserknappheit, AIDS und Malaria bringt sie zum Sturz, mit schmerzverzerrtem Gesicht liegt sie hilflos am Boden. Da kommt ein Mann in Krawatte und Anzug vorbei. Erschrocken durch den erbärmlichen Anblick der Frau geht er schnell vorbei, nur um sein Gewissen an der nächsten Ecke mit einer sehr sehr kleinen Spende aus seinem prall gefüllten Portemonnaie an die „Entwicklungshilfe“ zu beruhigen. Flehend liegt die Frau weiter am Boden bis endlich zwei Menschen auftauchen, die den Stein aus Wasserknappheit, Hunger, Armut, Kindersterblichkeit und AIDS nach und nach in Stücke zerreißen, wodurch sie mit jedem Mal der gestürzten Frau mehr zum Aufstehen und zur Heilung verhelfen.

Diese kleine Theaterszene nahm Bezug auf die im Jahre 2000 von fast allen Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verkündeten Millenniumsentwicklungsziele, zu deren Verwirklichung bis 2015 sie sich verpflichteten.

Ziel 1: Ausrottung von Hunger und extremer Armut

Ziel 2: Allen Kindern eine Grundschulbildung ermöglichen

Ziel 3: Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und der Beteiligung von Frauen

Ziel 4: Verringerung der Kindersterblichkeit

Ziel 5: Verbesserung der Gesundheit von Müttern

Ziel 6: Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen Krankheiten

Ziel 7: Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit

Ziel 8: Entwicklung einer globalen Entwicklungspartnerschaft

Kaum war unser Straßentheater vorbei, ging es auch schon eilig weiter. Wir hatten die Ausstellungseröffnung im Greifswalder Stadtteiltreff „Labyrinth“ vorzubereiten.

Mit einer Eröffnungsrede zu den MDG’s von Thomas Schmidt vom Weltblicjk e.V. und Weltladen, der mit einem kleinem Informations- und Verkaufsstand vertreten war, begann der Abend. Tschingis hebt das Essen als besonderes Highlight des Abends hervor. Kein Wunder: Es gab ein wahnsinnig tolles internationales Buffet!

Ich persönlich bin noch jetzt beeindruckt, wenn er daran denke, wie viele Leute an diesem ersten Abend in die Ausstellung gekommen waren. Es waren fast 50 Menschen gekommen.

„Beeindruckend,“ meinte auch Jenny aus Berlin. „Die Ausstellung kann Inhalte vermitteln, schockieren und zum Nachdenken anregen und kommt dabei ohne einen Holzhammer aus.“

Ihren musikalischen Ausklang fand die Veranstaltung mit einem kleinen Chor, der Lieder aus aller Welt vortrug.

Ein Teil der Ausstellung ist unter www.nord-sued-bruecken.de zu sehen. Dort erfahrt Ihr auch, wo man sie sich kostenlos und ganz unkompliziert ausleihen kann.

 

Shahrzad, die 18jährige Initiatorin von JoG M-V ist zufrieden. „Noch vor einem halben Jahr gab es JoG hier in Greifswald noch nicht und nun haben wir eine solche Veranstaltung auf die Beine gestellt!“ „Und das soll keine einmalige Sache bleiben,“ ergänzt Müslüm. „Wir sind dabei, weitere Aktionen zu planen.“

Die JoG-Gruppe trifft sich immer montags um 16 Uhr im Greifswalder Jugendzentrum klex und freut sich über weitere Mitstreiter.

 

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