Tag Archive for 'JOG Hessen'

Das einjährige Jubliläum

Ein Jahr ist es nun her, als unsere Wohnung beim Abendessen von einer Greiftruppe der Polizei gestürmt wurde.
“Ihr habt 10 Minuten Zeit, packt eure Sachen! Es geht los! Der Flieger wartet!”
Ein Jahr ist es nun her, als ich den Anruf von meinem Vater erhielt. “Hassan, Sie sind da. Sie holen uns!”
Ich stand mitten im Abi-Stress und habe mich bei einem Freund auf eine Klausur vorbereitet.
Ich hatte Glück und erreichte unsere Wohnung kurz bevor die Deportation meiner Familie los ging.
Was ich da sah, werde in einem Leben nie vergessen.
Da saß meine Familie zusammengepfercht in den Polizeibussen. Ich wollte meine Familie wenigstens in der Arm nehmen…
Dieser Anruf hätte, wenn es nach der Polizei gegangen wäre, gar nicht statt gefunden.
Die Polizisten hatten die Batterien aus dem Telefon genommen.
Mein Vater nahm die Batterien aus der Fersehfernbedienung und rief mich an.
“Wir haben keine Zeit!” “Der Flieger wartet!” “Wir müssen los”!
So wurd ich aus dem Weg geräumt und sie fuhren los.
So stand ich da und sah die leeren mit Tränen überfüllten Augen meiner Geschwister.
Sonst waren diese Augen voller Hoffnung, Elan und Lebensfreude.
Die Gesichtsausdrücke meiner Geschwister werde ich nie vergessen…
In mir wurden Erinnerungen an ganz dunkele Kapitel der deutschen Geschichte wach!
Ich dachte mir: Es wird wieder Jagd auf Menschen gemacht!

Wir fuhren zum Flughafen hinter her.
Durch reinen Zufall sah ich meine Familie und konnte alle in die Arme nehmen.
Die AG “Wohlfahrt”, so nennt sich diese zynische und menschenverachtende Behörde, hat alles daran gesetzt, dass ich mich von meiner Familie nicht verabschieden kann und uns bewusst in die Irre geführt. Sie haben es nicht geschafft!
Umgangston und Verhaltensweise dieser Leute lässt vermuten, um es euphemistisch auszudrücken, dass sie keine Sympathien für uns hegen.
Wir mussten uns nachäffen und auslachen lassen. Diese Leute hatten sichtlich Spaß an ihrer Arbeit…
Der Spaß sollte denen aber bald vergehen!
Eine Stunde später saß ich bei Bekannten und fragte mich, wo sich wohl meine Familie befindet, als meine Handy klingelte…

Meine Familie befand sich in Deutschland. Ich war der glücklichste Mensch auf Erden.

Der Pilot hatte sich geweigert meine Familie auszufliegen. Wahrscheinlich hatte er in die Augen meiner Geschwister geschaut…
Die Leuten von der Wohlfahrt war sichtlich die Laune verdorben! Sie haben alles versucht den Piloten umzustimmen. Er beharrte auf seine
humane Entscheidung und hebte mit 30 minutiger Verspätung erst ab, als meine Familie nicht mehr an Board war.
Meine Familie war wieder frei! Außer mein Vater, er wurde in Abschiebehaft gesteckt. Eine Woche später wurde aus dem Gefängnis heraus abgeschoben.
Wie sagte mir einst der Leiter der Behörde: “Bei euch Araber ist es doch so, kaum schiebt man den Mann ab, kommt zwei Tage später die Frau und fleht darum auszureisen”. Dann lachte der “Kulturkenner” spöttisch. Sein “Schachzug” ist ihm gründlich misslungen. Meine Mutter und Geschwister sind ein Jahr später immer noch hier. Wahrscheinlich lacht er nicht mehr…

In der Zwischenzeit habe ich trotz aller Widerstände mein Abi gemacht und will Lehrer werden. Ich habe einen Studienplatz für Lehramt an Gymnasien für die Fächer Deutsch und Ethik an der TU Darmstadt Ich kann aber nicht das Studium beginnen. Mein Aufenthaltsstatus von 2 Wochen erlaubt es mir nicht.
Noch erlaubt es mir mein Aufenthaltsstatus eine Arbeit aufzunehmen. obwohl meine Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz für sechs Monate gestrichen und jetzt gekürzt wurden.
Cäsar hat gesagt: “Einem Gast gegenüber gewaltätig zu werden, gilt als Frevel; wer aus irgendeinem Grund zu ihnen, den German kommt, den schützen sie vor Unrecht und behandeln ihn wie einen Unverletzlichen; ihm stehen die Häuser aller offen, und er hat Teil an ihrem Leben.

“Wissen Sie eigentlich, dass bedingt durch meine Anwesenheit hier in Frankfurt, gegen das Ausländergesetz verstoßen habe?Meine Rezidenzpflicht ist auf den Kreis Offenbach beschränkt, dem zu Folge habe ich mich strafbar gemacht!Aber ich bin trotzdem hier!Mir ist wichtig, dass die Bürger, also Sie, wissen, wie mit “Unverletzlichen” in diesem Land umgegangen wird.” (Zitat des Verfassers bei einem Vortrag in Frankfurt)

In diesem Sinne!
“Verschließe dein Haus nicht vor dem Fremden!”
Altes Testament, Midrasch Sfire zu 4. Mose
Zumal der “Fremde” schon lange nicht mehr fremd ist.

Die Gala

Am 19.11.2008 veranstaltete das Grips Theater mit JoG eine Gala in Potsdam.
Bei der Gala stelte JoG Initiativen vor und zeichnete sie für ihren einsatz aus.
Dazu wurde der Abschiebeminister dieses Jahres gewählt und der Gewinner war Hamburgs Innenminister Ahlhaus, der auf die Sammelabschiebungen spezialisiert ist.
Der übrigens sich am nächsten Tag darüber sehr gefreut hat.
Außerdem wurden verschiedene Initiativen vorgestellt und mit Initiativenpreis08 ausgezeichnet.
Das Grips Theater zeigte Theaterstücke, die sich auf die Abschiebung bezogen haben.
Der Abend war sehr gut und alle waren zu frieden.
Danke an allle die da waren.
von JOGHessen

Und mein Papa bringt Menschen um

Greueltaten? Nicht bei uns!?! 

Es ist immer wieder erschreckend, wenn mensch darüber nachdenkt welche Greueltaten von Menschen an Menschen verübt wurden und verübt werden. Wie angedeutet, liegen für die meisten Leute die schlimmsten Greueltaten entweder in der Vergangenheit oder zumindest weit weg in andereren Ländern.

Doch die Realität sieht anders aus…

Denn wenn wir davon reden, dass Wohnungen mit scheinheiligen Begründungen durchsucht werden, Kinder ohne Wissen der Eltern von der Straße geschnappt und verhört werden oder Menschen (ohne deutschen Pass) über Nacht aus ihren Wohnungen und aus Deutschland verschleppt werden, dann muss damit nicht unbedingt der historisch gewordene Hitlerfaschismus oder ein östlicher Unrechtsstaat gemeint sein, sondern eine durchaus tägliche Praxis der Bundesrepublik Deutschland.

Wie könnt ihr Nachts überhaupt noch schlafen?

Doch beeindruckend ist nicht nur, dass dies immer wieder geschiet, sondern dass es ganz offensichtlich Menschen geben muss, die bereit sind soetwas zu machen. Hier sind nicht nur all diejenigen gemeint, welche Flüchlinge und Asylsuchende auch noch nach Jahren ihrer Ankunft in eine gefährliche längst fremd gewordene “Heimat” vorort abschieben. Sie stellen nur ein Bruchteil der Abschiebemaschinerie dar, zu dem auch ein ganzer Apparat an Papiertigern und verantwortlichen Mitwissern (wie z.B. Unternehmensführungen) gehören. Was geht bei einem Menschen im Kopf vor, wenn sie ganz genau wissen was ein solches Abschiebeurteil für einen Menschen bedeutet und er ihn trotzdem abschiebt oder vermeintlich abschieben muss? Wie kann ein Mensch es mit seinem Gewissen nur vereinbaren, eine solche sinnlose menschenverachtende Arbeit nachzugehen?

Auch wenn ich wohl kaum eine Antwort darauf bekommen werde. Eins steht fest: Egal aus welchem Hintergrund oder Motiven sie zu dieser “Arbeit” kommen, ihr Handeln ist zutiefst abscheulich und verachtenswert.

Nachhilfe für Flüchtlingskinder

Von Integration – keine Spur 

Das deutsche Schulsystem ist nicht gerecht. Dies verdeutlicht sich vorallendingen dadurch, dass Kinder aus sozialschwachen Familien immer noch deutlich weniger Chancen auf einen Abiturabschluss haben, als andere Kinder. Den Eltern von Mitgrantenkindern fehlen dabei oftmals die entsprechenden Mittel ihren Kindern über das staatliche Schulangebot hinaus Bildungsangebote zu finanzieren. Hinzu kommt meist auch, dass sie aufgrund ihrer unterschiedlichen Sprache in punkto Schule ihren Kindern wenig weiterhelfen können. Gerade nach den Debatten von ausländischen Parallelgesellschaften tut der Staat seinerseits erschreckend wenig um ausländische oder eingedeutschte Bürger in die Gesellschaft zu integrieren. Stattdessen versucht er weiterhin mit repressiven Methoden Flüchtlinge aus dem Alltag zu drängen.

Alternativen schaffen!

Weil das zutiefst ungerecht ist, versuchen zumindest StudentInnen ehrenamtlich in Potsdam mit dem Projekt “Nachhilfe für Flüchtlingskinder” diesem Defizit entgegenzuwirken. Zusammen organisieren sie freiwillig zum Beispiel im studentischem Kultur-Zentrum (KuZe) an drei Tagen die Woche ein Treffen um mit Flüchtlingskindern Hausaufgaben und Nachhilfe zu machen. Aber auch in Zentrum Ost und am Kirchsteigfeld gibt es jeweils eine Gruppe. Das Projekt ist selbstverwaltend, hierarchiefrei und wird sowohl zum KuZe als auch der Diakonie untersützt. Letztere organisierten vorallendingen auch den Kontakt  zu den Migrantenfamilien und schließlich zu den Kindern.

Mitmachen!

Trotz des Erfolges braucht das Projekt “Nachhilfe für Flüchtlingskinder” vorallendingen immer wieder neue BetreuerInnen, da diese immer wieder studienbedingt auch Dauerhaft fehlen. (Halbjährlich wechselnder Stundenplan, Auslandsjahr… usw. usf.) Darum fühle auch dich angesprochen um bei dem Projekt mit zu helfen. Auch als NachhilfesuchendE bist du herzlich willkommen. Kommt dazu einfach irgendwann zwischen Dienstag und Donnerstag zwischen 15:30 und 17:00 Uhr zu dem Treffen im KuZe oder schickt eine Nachricht an
andrea.piec (ät)  web .  de oder karsten_007  (ät)  gmx . de
Am Montag dem 29.10 wird “Nachhilfe für Flüchtlinge” einen extra Infoabend für Neugierige veranstalten.

Selbermachen!

Auch wenn ihr nicht aus Potsdam kommt, versucht euch auch andernorts für Flüchtlinge zu engagieren. Ob nun durch aktive Mitgliedschaft bei JOG oder anderen Organisationen. Mit Nachhilfe oder anderen Aktionen. Helfe mit Flüchtlingen eine Stimme zu und ein menschenwürdiges Leben zu geben. Denn vielleicht gerätst auch du irgendwann einmal in eine solche Situation!

by Jack_007

Hallo…

Da ich bisher sehr selten derartige Beiträge geschrieben habe, bin ich darin noch recht ungeübt und demensprechend kurz werden auch meine ersten Beiträge wahrscheinlich ausfallen. Zumal erste Anlaufversuche sich als ziemlich schwierig erwiesen haben. (Mensch will ja auch nichts falsches schreiben.)Aber was nicht ist, kann ja vielleicht noch werden.

Jack_007

Endlich

Endlich kann ich auch schreiben!

ich wünsche uns JoG’ler einen guten start bei der Sache.

Random Text

Seit zwei Jahren arbeite ich im Bleiberechtsbündnis in Hanau mit. Am Anfang war ich als Dolmetscher für meinen Vater dabei aber dann habe ich dort andere Jugendliche getroffen die auch nur in Deutschland geduldet waren. - by Mehmet

Jugendliche ohne Grenzen