Erste Tage in Lomé

Erstmal: Was habe ich in Togo vor? Ich werde an der Schule „la Concorde“ in Sokodé, Zentraltogo, die naechsten 3 Monate als Deutsch- und Englischlehrer arbeiten. Den Kontakt habe ich durch Leute aus Togo, die ich von der „Karawane fuer die Rechte der Fluechtlinge und MigrantInnen“ und unseren gemeinsamen Kaempfen gegen Abschiebung und fuer Bleiberecht her kenne. Diese Leute haben die „la Concorde“-Schule in ihrer Heimatstadt Sokodé, ein nichtstaatliches Projekt, das groesstenteils auf der Grundlage ehrenamtlicher Arbeit und privater Spenden existiert, im Wesentlichen mit aufgebaut.

Meine Ankunft in Lomé war groesstenteils ok. Die Leute von der Schule haben mich am Flughafen abgeholt, mir ein Hotelzimmer reserviert und mich auch die naechtsten Tage begleitet und sich gekuemmert, dass ich gut versorgt bin. Ich finds auf jeden Fall gut, dass ich meinen Aufenthalt und meine Arbeit in Togo ueber direkten Kontakt mit engagierten Leuten von hier klargemacht habe und nicht ueber die ueblichen Mittlerinstitutionen (DAAD, Goetheinstitut, GTZ…). Mein groesstes, zum Glueck glimpflich geloestes, Problem hatte ich mit dem Flughafenzoll: Als ich mein Gepaeck, das mit zweitaegiger Verspaetung nachkam, abholte, hatten die Leute vom Gepaeckcheck was an Handys zu bemaengeln, die ich fuer Leute hier mitgebracht hatte und wollten mich zu den Zollbeamten schleppen – durch ein kleines „Geschenk“ liess sich das Problem abbuegeln, sonst waere es teuer geworden…

Nun, was gibt’s erstmal ueber Lomé zu erzaehlen? Ein einschlaegiger Eindruck, den die Stadt bei mir hinterlassen hat, sind die Leute, die mit allerlei kleinen Geschaeftchen am roedeln sind, um ueber die Runden zu kommen. Leute verticken alles moegliche an kleinen Staenden auf der Strasse oder einige auch mit Bauchladen: Autoersatzteilchen, Kippen, Telefonkarten, Benutzung eines Telefons, Tempotaschentuecher, Palmoelflaschen, Sprit, Obst, Essen… Irgendwie wirkt die Stadt auf mich wie ein riesiger geschaeftiger Marktplatz. Auf der Strasse sind massig Taxis und Motorradtaxis unterwegs. Manche Leute haben sich drauf spezialisiert, PassantInnen kleine, oft nicht ausdruecklich erbetene, Handreichungen anzudienen, z.B. ein Taxi heranwinken oder Gepaeck einladen helfen, und dafuer ein paar Francs CFA zu kassieren. Es ist offensichtlich, dass die meisten unter harten Bedingungen ums Ueberleben kaempfen, auch wenn das meist anders aussieht, als die in Europa gaengigen Klischees von krasser, sichtbarer Armut. Fehlendes Geld (nach dem, was mir gesagt wurde, lebt ein grosser Teil der Leute in Togo mit weniger als 1 Euro pro Tag), hohe Preise fuer alles Lebensnotwendige, inklusive medizinischer Versorgung, und kaputte Infrastruktur sind Themen, die immer wieder von Leuten, mit denen ich mich unterhalten habe, angesprochen worden sind. Ein grosses Aergernis sind auch die Bruecken zentraler Nord-Sued-Verbindungsstrassen, die vor einigen Wochen durch heftige Regenfaelle zerstoert wurden und noch nicht wieder aufgebaut sind, wodurch sich Transportkosten fuer landwirtschaftliche Produkte und in Folge davon wiederum die Lebensmittelpreise verteuert haben. Schick herausgeputzt sind vor allem grosse Kirchen (es gibt ueberhaupt allerlei Kirchen und Moscheen verschiedener Gross- und Kleinkonfessionen), das Goetheinstitut, Filialen von Banken und Mobilfunkgesellschaften.

Vor der US-Botschaft sind zur Zeit Leute am protestieren, die von den US-Einwanderungsbehoerden krass verarscht wurden: Ihnen werden die Einreisevisa in die USA verweigert, nachdem sie in einer Greencardlotterie gewonnen haben und die USA kurzerhand die Einreisemoeglichkeit auf Leute mit Abitur reduziert haben. Was da abgeht moechte ich mir unbedingt bei meinem naechsten Besuch in Lomé genauer anschauen. Der Traum, aus Togo wegzugehen, ist ueberhaupt fuer viele Leute ein grosses Thema, was fuer die StrategInnen der Migrationskontrolle und –verhinderung von Frontex und Co. Vermutlich nix neues ist.

Ich persoenlich hatte durchaus Spass in Lomé: hier ist in einigen Stadtvierteln Abends auf den Strassen fett was los: haufenweise Leute auf der Strasse, jede Menge los in den Bars, kein dran denken; dass sich irgendwer wegen Musikbeschallung ueber Ruhestoerung aufregen wuerde – unvergleichbar auf jeden Fall mit der geordneten Langeweile in Muenchen. Man kann durchaus ne Gaudi haben an den Abenden in Lomé, wobei viele Leute eher damit beschaeftigt sind, denen die Spass haben, was zu verkaufen.

Ich hab’ mich auch mit jemandem, den ich von der Karawane her kenne und der gerade in Lomé auf Familienbesuch war, getroffen. Ueber diesen Menschen hab ich auch verschiedene Leute, die im Haus seiner Family wohnen, kennengelernt. Wir sind auf der Partymeile herumgezogen. Einmal waren wir auch am Strand. Dort hats echt geile Wellen, die Leute haben mir aber dringlichst abgeraten, da reinzugehen. Die Leute waren ueberhaupt krass nett zu mir, haben sich Zeit genommen, mir die Stadt gezeigt und mich mit super Essen bewirtet.

Ziemlich zum Haare raufen finde ich als leidenschaftlicher Antikolonialist, dass bei vielen Leuten in Togo ein positiver Bezug auf die deutsche Kolonialzeit krass praesent ist. Mir fahren solche Situationen durchaus schraeg ein: Wenn mir Leute sagen, statt der Franzosen (die 1914 Togo besetzt haben) haetten lieber die Deutschen dableiben sollen, dann waere alles besser – und ich als Deutschnase kann dann meine Ablehnung des deutschen Kolonialismus kundtun. Mir ist durchaus bewusst, dass das Lob fuer die deutschen Kolonialisten nicht unwesentlich mit einer Abgrenzung gegen die spaetere Kolonialmacht und heutige Neokolonialmacht (u.a. langjaehrige Unterstuetzerin des Eyadema-Regimes) Frankreich zusammenhaengt, die bei vielen Leuten zurecht voellig unten durch ist. Teilweise uebt auch der Mythos “solider deutscher Wertarbeit” angesichts der allerorten kaputten Infrastruktur eine gewisse Faszination auf Leute aus. Bin mal durchaus auf weitere Diskussionen rund um dieses Thema gespannt.

Am Samstag war ich bei einem Meeting des Vereins von UnterstuetzerInnen und ehemaligen SchuelerInnen der „la Concorde“-Schule an der Uni von Lomé. Bei der Vorstellungsrunde erzaehlte ich kurz was ueber den Hintergrund meiner Reise und in diesem Zusammenhang auch ueber die Karawane, was einige sehr cool und interessant fanden. Auf die Nachfrage, ob wir Moeglichkeiten haben, Leute dabei zu unterstuetzen, in Deutschland zu studieren – was fuer viele ein grosses Ziel ist – konnte ich leider keine befriedigende Antwort geben.

Die naechsten Tage gibt es mehr zu Sokodé.

Erstmal: Was habe ich in Togo vor? Ich werde an der Schule „la Concorde“ in Sokodé, Zentraltogo, die naechsten 3 Monate als Deutsch- und Englischlehrer arbeiten. Den Kontakt habe ich durch Leute aus Togo, die ich von der „Karawane fuer die Rechte der Fluechtlinge und MigrantInnen“ und unseren gemeinsamen Kaempfen gegen Abschiebung und fuer Bleiberecht her kenne. Diese Leute haben die „la Concorde“-Schule in ihrer Heimatstadt Sokodé, ein nichtstaatliches Projekt, das groesstenteils auf der Grundlage ehrenamtlicher Arbeit und privater Spenden existiert, im Wesentlichen mit aufgebaut.

Meine Ankunft in Lomé war groesstenteils ok. Die Leute von der Schule haben mich am Flughafen abgeholt, mir ein Hotelzimmer reserviert und mich auch die naechtsten Tage begleitet und sich gekuemmert, dass ich gut versorgt bin. Ich finds auf jeden Fall gut, dass ich meinen Aufenthalt und meine Arbeit in Togo ueber direkten Kontakt mit engagierten Leuten von hier klargemacht habe und nicht ueber die ueblichen Mittlerinstitutionen (DAAD, Goetheinstitut, GTZ…). Mein groesstes, zum Glueck glimpflich geloestes, Problem hatte ich mit dem Flughafenzoll: Als ich mein Gepaeck, das mit zweitaegiger Verspaetung nachkam, abholte, hatten die Leute vom Gepaeckcheck was an Handys zu bemaengeln, die ich fuer Leute hier mitgebracht hatte und wollten mich zu den Zollbeamten schleppen – durch ein kleines „Geschenk“ liess sich das Problem abbuegeln, sonst waere es teuer geworden…

Nun, was gibt’s erstmal ueber Lomé zu erzaehlen? Ein einschlaegiger Eindruck, den die Stadt bei mir hinterlassen hat, sind die Leute, die mit allerlei kleinen Geschaeftchen am roedeln sind, um ueber die Runden zu kommen. Leute verticken alles moegliche an kleinen Staenden auf der Strasse oder einige auch mit Bauchladen: Autoersatzteilchen, Kippen, Telefonkarten, Benutzung eines Telefons, Tempotaschentuecher, Palmoelflaschen, Sprit, Obst, Essen… Irgendwie wirkt die Stadt auf mich wie ein riesiger geschaeftiger Marktplatz. Auf der Strasse sind massig Taxis und Motorradtaxis unterwegs. Manche Leute haben sich drauf spezialisiert, PassantInnen kleine, oft nicht ausdruecklich erbetene, Handreichungen anzudienen, z.B. ein Taxi heranwinken oder Gepaeck einladen helfen, und dafuer ein paar Francs CFA zu kassieren. Es ist offensichtlich, dass die meisten unter harten Bedingungen ums Ueberleben kaempfen, auch wenn das meist anders aussieht, als die in Europa gaengigen Klischees von krasser, sichtbarer Armut. Fehlendes Geld (nach dem, was mir gesagt wurde, lebt ein grosser Teil der Leute in Togo mit weniger als 1 Euro pro Tag), hohe Preise fuer alles Lebensnotwendige, inklusive medizinischer Versorgung, und kaputte Infrastruktur sind Themen, die immer wieder von Leuten, mit denen ich mich unterhalten habe, angesprochen worden sind. Ein grosses Aergernis sind auch die Bruecken zentraler Nord-Sued-Verbindungsstrassen, die vor einigen Wochen durch heftige Regenfaelle zerstoert wurden und noch nicht wieder aufgebaut sind, wodurch sich Transportkosten fuer landwirtschaftliche Produkte und in Folge davon wiederum die Lebensmittelpreise verteuert haben. Schick herausgeputzt sind vor allem grosse Kirchen (es gibt ueberhaupt allerlei Kirchen und Moscheen verschiedener Gross- und Kleinkonfessionen), das Goetheinstitut, Filialen von Banken und Mobilfunkgesellschaften.

Vor der US-Botschaft sind zur Zeit Leute am protestieren, die von den US-Einwanderungsbehoerden krass verarscht wurden: Ihnen werden die Einreisevisa in die USA verweigert, nachdem sie in einer Greencardlotterie gewonnen haben und die USA kurzerhand die Einreisemoeglichkeit auf Leute mit Abitur reduziert haben. Was da abgeht moechte ich mir unbedingt bei meinem naechsten Besuch in Lomé genauer anschauen. Der Traum, aus Togo wegzugehen, ist ueberhaupt fuer viele Leute ein grosses Thema, was fuer die StrategInnen der Migrationskontrolle und –verhinderung von Frontex und Co. Vermutlich nix neues ist.

Ich persoenlich hatte durchaus Spass in Lomé: hier ist in einigen Stadtvierteln Abends auf den Strassen fett was los: haufenweise Leute auf der Strasse, jede Menge los in den Bars, kein dran denken; dass sich irgendwer wegen Musikbeschallung ueber Ruhestoerung aufregen wuerde – unvergleichbar auf jeden Fall mit der geordneten Langeweile in Muenchen. Man kann durchaus ne Gaudi haben an den Abenden in Lomé, wobei viele Leute eher damit beschaeftigt sind, denen die Spass haben, was zu verkaufen.

Ich hab’ mich auch mit jemandem, den ich von der Karawane her kenne und der gerade in Lomé auf Familienbesuch war, getroffen. Ueber diesen Menschen hab ich auch verschiedene Leute, die im Haus seiner Family wohnen, kennengelernt. Wir sind auf der Partymeile herumgezogen. Einmal waren wir auch am Strand. Dort hats echt geile Wellen, die Leute haben mir aber dringlichst abgeraten, da reinzugehen. Die Leute waren ueberhaupt krass nett zu mir, haben sich Zeit genommen, mir die Stadt gezeigt und mich mit super Essen bewirtet.

Ziemlich zum Haare raufen finde ich als leidenschaftlicher Antikolonialist, dass bei vielen Leuten in Togo ein positiver Bezug auf die deutsche Kolonialzeit krass praesent ist. Mir fahren solche Situationen durchaus schraeg ein: Wenn mir Leute sagen, statt der Franzosen (die 1914 Togo besetzt haben) haetten lieber die Deutschen dableiben sollen, dann waere alles besser – und ich als Deutschnase kann dann meine Ablehnung des deutschen Kolonialismus kundtun. Mir ist durchaus bewusst, dass das Lob fuer die deutschen Kolonialisten nicht unwesentlich mit einer Abgrenzung gegen die spaetere Kolonialmacht und heutige Neokolonialmacht (u.a. langjaehrige Unterstuetzerin des Eyadema-Regimes) Frankreich zusammenhaengt, die bei vielen Leuten zurecht voellig unten durch ist. Teilweise uebt auch der Mythos “solider deutscher Wertarbeit” angesichts der allerorten kaputten Infrastruktur eine gewisse Faszination auf Leute aus. Bin mal durchaus auf weitere Diskussionen rund um dieses Thema gespannt.

Am Samstag war ich bei einem Meeting des Vereins von UnterstuetzerInnen und ehemaligen SchuelerInnen der „la Concorde“-Schule an der Uni von Lomé. Bei der Vorstellungsrunde erzaehlte ich kurz was ueber den Hintergrund meiner Reise und in diesem Zusammenhang auch ueber die Karawane, was einige sehr cool und interessant fanden. Auf die Nachfrage, ob wir Moeglichkeiten haben, Leute dabei zu unterstuetzen, in Deutschland zu studieren – was fuer viele ein grosses Ziel ist – konnte ich leider keine befriedigende Antwort geben.

Vor 2 Tagen bin ich nun von Lomé nach Sokodé gefahren, wobei wir wegen einer zerstoerten Bruecke auf eine provisorisch fuer Autos umfunktionierte Eisenbahnbruecke umgeleitet wurden, und sitze hier im Internet-Café. In dieser Stadt werde ich also die naechsten 3 Monate wohnen arbeiten.

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Das Ausbildungsverbot und die Ungewissheit um meinen Aufenthalt haben mich zwar zermürbt; hinzu kommt die Angst vor der Abschiebung. Doch viele Menschen bestärken mich, weiterzumachen. Ich habe deshalb meine Hoffnung nicht aufgegeben - by Perle

Jugendliche ohne Grenzen